Zwei Monate Arbeit liegen hinter FC Mello Wien. Vor dem ersten Spieltag spricht Obmann und Trainer Daniel Rezai über einen chaotischen Start, eine schnell gewachsene Gemeinschaft und die Frage, ob der selbst entwickelte Laufplan auch über 90 Minuten funktioniert.
Frage
Daniel, wenn du auf die vergangenen zwei Monate zurückblickst: Wie hat diese Vorbereitung begonnen?
Daniel Rezai
Ehrlich gesagt war der Start ein wenig chaotisch. Unser Kader stand noch nicht ganz fest, Spieler waren noch nicht gemeldet und es gab einige Unsicherheiten, ob sich wirklich alles rechtzeitig ausgeht. Für einen neuen Verein gehört das vermutlich dazu — entspannt macht es die Sache aber nicht.
Dazu kamen Bedingungen, die es uns auch nicht gerade leicht gemacht haben. Teilweise hatten wir über 40 Grad, dann wieder Gewitter, die uns gefühlt ertränkt haben. Aber genau in solchen Momenten trennt sich auch die Spreu vom Weizen. Die Jungs haben durchgezogen. Und dank unserer Lage an der Alten Donau konnte man nach einer heißen Einheit auch einmal ins Wasser springen und sich abkühlen.
Frage
Was war die größte Aufgabe, als sich die Mannschaft erst finden musste?
Daniel Rezai
Es gab eigentlich fast nur neue Gesichter. Untereinander kannte sich zu Beginn mehr oder weniger noch niemand. Deshalb ging es nicht nur darum, ein System zu vermitteln oder körperlich besser zu werden. Es ging vor allem darum, aus vielen einzelnen Spielern eine Mannschaft zu machen.
Und genau da ist in diesen zwei Monaten unglaublich viel passiert. Heute versteht sich die Gruppe auch abseits des Platzes sehr gut, jeder zieht an einem Strang und es entsteht eine echte Community. Ich habe die Jungs erst letztes Wochenende zu mir eingeladen. Wir haben den Nachmittag damit verbracht, über Fußball, die Meisterschaft, Gott und die Welt zu reden. Für mich ist das bisher eines der größten Highlights.
Frage
Wie sieht die Arbeit auf dem Platz an einem Donnerstag aus?
Daniel Rezai
Donnerstag ist unser Platz-Tag an der Polizeisportanlage. Wir starten mit Laufübungen, Dehnen darf natürlich nicht fehlen, und dann geht es in die fußballerische Arbeit: Passformen, Spielformen mit Abschluss und taktikorientiertes Training.
Unser Ziel ist, dass die Spieler unser System nicht nur kennen, sondern es wirklich im Kopf haben und in den richtigen Momenten abrufen können. Jeder soll wissen, welche Rolle er hat und was er für die Mannschaft tun muss. Im Spielverständnis haben wir hier bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht.
Frage
Neben den Platz-Einheiten gibt es dienstags und sonntags euren eigenen Laufplan. Was steckt dahinter?
Daniel Rezai
Den Laufplan hat das Trainerteam mit Unterstützung von KI entwickelt. Er ist darauf ausgelegt, dass wir als Mannschaft die Ausdauer aufbauen, die wir für eine ganze Saison in der 1. Klasse A brauchen. Dienstag und Sonntag stehen deshalb ganz bewusst im Zeichen der Laufarbeit.
Es geht dabei nicht darum, einfach nur Kilometer zu sammeln. Wir wollen eine Basis schaffen, die es uns ermöglicht, über 90 Minuten konzentriert, mutig und als Team zu spielen. Die Spieler haben den Plan sehr gut angenommen und die Entwicklung ist bei vielen wirklich enorm.
Kapitän der Kampfmannschaft
Marco
Miuli.
Erfahrung, Verantwortung und der Wille, die Gruppe mitzuziehen: Marco Miuli trägt in der kommenden Saison als Mellos erster Kapitän die Binde.
Frage
Wo siehst du die größten Entwicklungen innerhalb der Gruppe?
Daniel Rezai
Bei manchen Spielern ist die Entwicklung gewaltig. Wir haben unter anderem auch Jungs, die davor noch nie in einem Verein gespielt haben — und heute würdest du ihnen das nicht mehr ansehen. Das ist ein großes Kompliment an ihren Einsatz und an die Bereitschaft, dazuzulernen.
Gleichzeitig ist die Moral in der Mannschaft top. Das liegt auch daran, dass wir erfahrenere Spieler wie Marco Miuli haben. Marco zieht alle mit, hebt das Niveau und übernimmt Verantwortung. Deshalb ist es uns leichtgefallen, ihm für die kommende Saison die Kapitänsbinde zu überreichen.
Frage
Was nimmst du aus der Vorbereitung mit, wenn am Sonntag der erste Spieltag beginnt?
Daniel Rezai
Wir gehen mit einem guten Gefühl in die Saison. Natürlich wissen wir, dass ein erstes Spiel noch keine gesamte Meisterschaft entscheidet. Aber wir haben in den letzten Wochen gesehen, dass diese Mannschaft zusammenhält, lernen will und bereit ist, füreinander zu arbeiten.
Jetzt geht es darum, das alles auch auf den Platz zu bringen. Die Vorbereitung ist vorbei, der erste echte Test kommt am Sonntag. Dann zählt nicht mehr, was wir geplant haben — sondern was wir als Mannschaft daraus machen.

